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Kanzlei Greber Lahr

Wolfgang Greber

Fachanwalt für Erbrecht

Testamentsvollstrecker

Lotzbeckstr. 32 - 77933 Lahr

Tel. 07821 - 954 710

Fax  07821 - 954 9988

 

 

Lieber gleich richtig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Der neue Erdenbürger

Erben durch Geburt: Spezialfall Kindernachversicherung nach § 198 VVG


In sieben Monaten kommt Carl (-1) zur Welt. Soeben hat seine Mutter Anna Singler (36) vom Frauenarzt Dr. Mutsch aus Ettenheim diese glückliche Nachricht erhalten und sie per Whatsapp samt Ultraschallbild dem ebenso glücklichen Vater Willibald Singler (42) mitgeteilt. "Alles bestens, das wird ein Wonneproppen" meint Dr. Mutsch. Willibald und Anna wünschten sich schon lange ein Kind - nun ist es ein Junge geworden, was besonders dem werdenen Vater gefällt. Der Name des neuen Erdenbürgers steht auch schon lange fest. Alle freuen sich über Carl, von den Eltern bis zu den Großeltern und sogar der Uroma Genoveva Himmelsbach aus Oberweier (94), die in der Seniorenresidenz Kinzigblick im schönen Gengenbach wohnt. Carl ist gesund, die Werte stimmen, lediglich Genovevas Gesundheit macht sorgen. Uroma ist nämlich ein Pflegefall und hat Pflegegrad 5. Die Unterkunft im Kinzigblick, einem sehr schönen Heim, hat leider einen sehr schönen Preis für Pflegeleistungen, Unterkunft ("Hotelkosten") und allerlei Umlagen für Ausbildung und Investitionen, für die die Pflegelobby im Gesetzgebungsverfahren gesorgt hat (Sicherlich haben Sie sich schon oft gewundert, warum überall Pflegeheime aus dem Boden schießen und die mobilen Pflegedienste meist die neusten Autos fahren, aber diese Diskussion würde vom Thema hier ablenken).

 

Nicht nur die Oma, auch ein Baby oder (Klein-)Kind kann schwerkrank, behindert oder pflegebedürftig sein oder werden

Ersparnisse sind durchaus beträchtlich. Unter Berücksichtigung ihrer eigenen Rente, der Witwenrente und einigem Immobilienvermögen braucht sie sich nicht wirklich Gedanken zu machen. Allerdings schmilzt durch die hohen Pflegekosten und ihrem Eigenanteil das Vermögen wie Butter in der Augustsonne.

Sie werden sich beim Lesen dieser Zeilen nun wundern, was der noch nicht geborene Carl, seine recht jungen und gesunden Eltern und die gesundheitlich angeschlagene Urgroßmutter mit dem Erbrecht zu tun haben.

Bei den regelmäßigen Besuchen der Uroma in Gengenbach, die junge Familie wohnt im nahen Zunsweier, einem Stadtteil von Offenburg, fanden Willibald und Anna nicht nur den Zustand der Uroma traurig, sondern auch die Tatsache, daß diese den Kosten ausgeliefert war, weil sie sich aufgrund ihres Gesundheitszustandes in der Pflegeabteilung eines Seniorenheims aufhalten mußte.

Oma wie auch die Großeltern waren schon des öftern im Krankenhaus im Mehrbettzimmer. Nachbarn schnarchten, erhielten Besuch zu unterschiedlichsten Zeiten, waren laut, man hatte nur einen Fernseher, konnte sich nicht ungezwungen unterhalten und und und ....

 

Versorgung des Babys auf bestmöglichem Niveau - gewußt wie


Die Familie machte sich Gedanken, wie man selber auf eine solche Situation reagieren oder sich darauf vorbereiten sollte. Sie wird sich aufgrund der Erfahrungen der Uroma und der Großeltern bewußt, daß eine existentielle Absicherung auf der Ebene von Gesundheit und Pflege notwendig ist, auch beim Carl als jüngstem Mitglied der Familie.

 

Ist das nicht kompliziert - und teuer?

Konkret stellt sich die Frage, wie Carl, wenn er denn geboren wird, im Falle von Krankheit oder Pflegebedürftigkeit optimal abgesichert ist. Ausgangspunkt ist die Tatsache, daß im Bereich der privaten Krankenversicherung (PKV) bei Neugeborenen unter bestimmten Voraussetzungen (dazu unten) ein Kontrahierungszwang der jeweiligen Gesellschaft besteht. D.h. der Krankenversicherer ist verpflichtet, das Neugeborene in den Vertrag mit aufzunehmen. Dieses "erbt" mit Geburt das Recht, den vertraglichen Leistungsumfang des oder der Elternteile zu übernehmen (daher auch der Titel dieser Ausführungen) und zwar - das ist der entscheidenden Vorteil - ohne Gesundheitsprüfung. Bei gesunden Kindern ist dies nicht weiter tragisch, ein Kind kann jedoch krank oder behindert auf die Welt kommen (z.B. Herzschwäche, Trisomie 21, Geburtsschäden, Anomalien wie Klumpfuß usw.) oder krank werden (z.B. Unfall beim Klettern oder Skifahren, Angefahrenwerden vom Auto). In diesen Fällen ändert eine Versicherung dann zwar nichts am Geschehen, die Eltern müssen sich dann bei aller Sorge nicht noch lange Gedanken machen, daß und wie sie schnell die beste Versorgung für Ihr Kind erhalten und daß und wie eventuelle finanzielle Mehraufwendungen abgefedert werden.

Die Kosten einer guten Vollversicherung für Kinder belaufen sich auf ca. 220 €/Monat (ohne Tagegelder).

Die Kosten einer guten stationären Zusatzversicherung für Kinder mit Einbett, Chefarzt belaufen sich auf ca 5 €/Monat (ohne Tagegelder).

Kindernachversicherung - was ist das überhaupt

Es gibt die Kindernachversicherung. Diese gilt im Bereich der privaten Krankenversicherung, also bei Vollversicherung und Zusatzversicherung.

 

Arten der privaten Krankenversicherung

Vollversicherte sind ausschließlich privat versichert. Vollversicherte sind 

  • Selbständige 

  • Arbeitnehmer (ab bestimmten jährliche wechselnden Einkunftsgrenzen)

  • Beamte einschließlich Anwärter und Referendare

Die Beispiele der Vollversicherten sind auf der Basis vollversicherter Selbständiger gebildet. 

Vollversicherte Arbeitnehmer erhalten auf Beitragsebene einen ggf. begrenzten Arbeitgeberzuschuß.

Beamte erhalten auf Leistungsebene eine durch Familienstand, Kinder oder Ruhestand in der Höhe beeinflußte Beihilfe des Dienstherrn und versichern Restkosten zwischen 20 und 50 % sowie ggf. noch einen Beihilfeergänzungstarif für von der Beihilfe ausgeschlossene Leistungen. Bei bestimmten Gruppen von öffentlich Bediensteten besteht freie Heilfürsorge während der aktiven Dienstzeit (Polizist, Soldat) und müssen sich nur mit einer Anwartschaftsversicherung versichern.

Vollversichert sind in Deutschland ca. 10 % der Menschen.

Zusatzversicherte sind gesetzlich versichert und unterhalten für bestimmte Bereiche private Zusatzversicherungen.

Gesetzlich versichert sind ca. 90 % der Menschen in Deutschland. Dies sind mit Masse Arbeitnehmer, Arbeitslose und deren Familienangehörige, seltener Selbständige oder Beamte.

 

Bausteine der Kindernachversicherung


Folgende Bausteine der Kindernachversicherung sind bei beiden Varianten möglich:

  • ambulant durch Arzt und/oder Heilpraktiker
  • stationär im Krankenhaus mit 1-/2-Bett, Chefarztbehandlung, freie Krankenhauswahl
  • Zahn
  • Kur
  • Ausland
  • Krankenhaustagegeld
  • Krankentagegeld
  • Pflegetagegeld

 

Voraussetzung Kindernachversicherung - wie kann das Kind den Vesicherungsschutz der Eltern erben

Das Kind kann nach Geburt den Versicherungsschutz des oder der Elternteile ohne Gesundheitsprüfung übernehmen, wenn es innerhalb einer Nachmeldefrist von zwei Monaten ab Geburt beim Versicherer nachgemeldet wird.

Der Elternteil, von dem die Versicherung übernommen wird, muß vor der Geburt mindestens drei Monate beim betreffenden Versicherer versichert sein. Maßgebend ist die tatsächliche Geburt. Der prognostizierte Geburtstermin ist unbedeutend. Bei Frühgeburten kann es daher unerwartet eng mit der Vorversicherungszeit von drei Monaten werden. Aus diesem Grunde und anderen Gründen (dazu unten) empfiehlt es sich für die künftigen Eltern, sich frühzeitig, idealerweise vor der Schwangerschaft während der Familienplanung, sich ausführlich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Warum frühzeitig?

Zum einen kann das Kind nur - und nur dann - ohne Gesundheitsprüfung versichert werden, wenn sowohl die Vorversicherungszeit und die Nachmeldefrist eingehalten sind. Ansonsten kann das Kind, und das auch nicht bei allen Gesellschaften, nicht immer sofort und nur mit Gesundheitsprüfung versichert werden. Problematisch wird dies, wenn das Kind mit schweren Erkrankungen und Behinderungen geboren wird. Im schlimmsten Fall ist eine Nachversicherung nicht mehr möglich.

Zum anderen sollten - ebenso frühzeitig - der oder die Elternteile ihren Versicherungsschutz daraufhin überprüfen, daß er möglichst umfassend ist. Im Rahmen der Kindernachversicherung kann das Kind des Versicherungsschutz ohne Gesundheitsprüfung nur insoweit übernehmen, wie ihn der Elternteil während der Vorversicherungszeit und bei Geburt hat.

 

Fallgruppen Kindernachversicherung - auf die Eltern kommt es an

 

Im Ganzen können sechs Fallgruppen unterschieden werden, und zwar 

  • Block A: jeweils drei Fallgruppen für nicht verheiratete Eltern
  • Block B: jeweils drei Fallgruppen für verheiratete Eltern

 

A. Nicht verheiratete Eltern (einschließlich noch nicht verheiratet oder nicht mehr verheiratet)

Fallgruppe 1: Kindernachversicherung bei ausschließlich gesetzlich versicherten Eltern

Fallgruppe 2: Kindernachversicherung bei ausschließlich privat versicherten Eltern

Fallgruppe 3: Kindernachversicherung bei Mischfällen gesetzlich-privat 

 

Gefahren bei Gruppenwechsel von Gruppe A zu Gruppe B

B. Verheiratete Eltern

Fallgruppe 4: Kindernachversicherung bei ausschließlich gesetzlich versicherten Eltern (häufigster Fall)

Fallgruppe 5: Kindernachversicherung bei ausschließlich privat versicherten Eltern

Fallgruppe 6: Kindernachversicherung bei Mischfällen gesetzlich-privat (ohne Sonderfall Übergrenzer)

Fallgruppe 7: Kindernachversicherung bei Mischfällen gesetzlich-privat (nur Sonderfall Übergrenzer)

 

Idealerweise werden diese Fallgruppen durch Beispiele nachvollzogen.

 

 

A. Nicht verheiratete Eltern (einschließlich noch nicht verheiratet oder nicht mehr verheiratet)

A. Fallgruppe 1: Kindernachversicherung bei ausschließlich gesetzlich versicherten nicht verheirateten Eltern

A. Fallgruppe 1 Beispiel

Die unverheirateten Johannes (31) und Vanessa (27) erwarten in acht Monaten die Geburt des kleinen Dolf (-1). Beide sind gesetzlich versichert. Johannes unterhält seit seiner Jugend bei der Allianz eine stationäre Zusatzversicherung über Einbettzimmer mit Chefarztbehandlung. Vanessa hat seit drei Jahren bei der Barmenia eine Zahnzusatzversicherung.

Dolf kann von Vater und Mutter im Rahmen der Kindernachversicherung deren Zusatzversicherungen übernehmen. Er ist damit insgesamt besser zusatzversichert als seine Eltern.

Dolf ist über seine Mutter gesetzlich und kostenfrei bei deren Kasse versichert.

Durch die Zusatzversicherungen hat er beginnend ab Geburt die Option ohne Gesundheitsprüfung auf bessere medizinische Leistungen bei Krankheiten oder Unfällen. Dies können sein: Geburtsschäden, Behinderungen, spätere Krankheiten oder Unfälle). Dolf kann diese Versicherungen als Erwachsener selbst - wiederum ohne Gesundheitsprüfung - fortführen.

 

A. Fallgruppe 2: Kindernachversicherung bei ausschließlich privat versicherten nicht verheirateten Eltern

Fallgruppe 2 Beispiel

Eltern nicht verheiratet, Vater voll PKV, Mutter voll PKV

Das Kind ist privat zu versichern. Alternativ kann es beitragspflichtig freiwillig gesetzlich versichert werden. Antragsfrist: drei Monate ab Geburt.

Die Eltern sollten Ihren Versicherungsschutz vor der Schwangerschaft bestmöglich ergänzen und ausbauen, also Top-Tarif und Tagegelder für Pflegeversicherung und Krankenhaus.

 

A. Fallgruppe 3: Kindernachversicherung bei Mischfällen gesetzlich-privat versicherter nicht verheirateter Eltern

A. Fallgruppe 3 Beispiel 1:

Eltern nicht verheiratet, Vater voll PKV mit minderwertigem Einsteigertarif, Mutter GKV-pflichtig ohne Zusatzversicherung

Johannes (38) und Frederike (32) (nicht verheiratet) planen ihr erstes Kind K (der Name steht noch nicht fest). Johannes ist als freiberuflicher Architekt voll privat versichert. Frederike ist angestellt und gesetzlich versichert. K soll privat  über Johannes versichert werden. Johannes unterhält einen sog. Einsteigertarif, zu dessen Abschluß er von einem Vertreter mit der Aussicht auf enorme Ersparnisse gegenüber dem Höchstbeitrag in der GKV motiviert worden ist. In unserem Beispiel soll es sich um den Tarif Economy bei der Continentale Krankenversicherung ("Conti") handeln. Zusatzbausteine darüber hinaus hat er keine.

Der Versicherungsschutz im Tarif Economy der Conti ist so brüchig wie ein zugefrorener See bei der Schneeschmelze im Frühjahr.

Bei ernsthafter Krankheit sind die finanziellen Einbußen für den Versicherungsnehmer mehr als nur empfindlich. Sie tun weh. Sehr weh. Und machen Angst. Existenzangst. Aber nur, wenn man sich ihnen bewußt ist. Zu nennen sind insbesondere

  • "Selbstbeteiligung Tarif ECONOMY: je medizinischer Leistung 10 Euro (z. B. je Behandlung, je psychotherapeutischer Sitzung, je Arzneimittel, je Impfstoff, je Heilmittel), bei Hilfsmitteln 50 Euro; Verzicht bei Generika sowie bei Brillen und Kontaktlinsen" (Continentale Homepage, Abruf vom 14.3.2020).
  • Krankenhaus: Mehrbett, kein Chefarzt
  • Medikamente: nur verschreibungspflichtige Medikamente (10 € Eigenanteil, siehe oben), keine nicht und keine nur apothekenpflichtigen Medikamente 
  • Behandlung Arzt, Zahnarzt: nur Regelhöchstsatz
  • Zahnersatz: 60 %, Honorar nur Regelhöchstsatz, max. 3000 € pro Jahr
  • Hilfsmittel in einfacher Ausführung

Muß K wegen chronischer Krankheit im Jahr 100 x zum Arzt (2 x pro Woche), 50 x zum Logopäden (1x pro Woche) und erhält 150 nicht verschreibungspflichtige Medikamente und Spritzen (3x pro Woche, Preis jeweils 20 Euro) und 50 x Physiotherapie, so beträgt der von M für K zu tragende Anteil 5.000 €. Er gliedert sich wie folgt:

  • 1.000 € Arztbesuche
  •   500 € Logopädie
  • 3.000 € Medikamente
  •   500 € Physiotherapie

Allfällige Krankenhausaufenthalte, Hilfsmittel, Kuren und Zahnarztbesuche und die Problematik der Erstattung des Regelhöchstsatzes sind in obigem Beispiel noch gar nicht enthalten.

Fazit Beispiel 1

Die Beispiele zeigen, daß die Kindernachversicherung nicht unbedingt vorteilhaft (allgemein: die PKV ist nicht immer vorteilhafter wie die GKV, vor allem ist sie unter dem Strich nie - wirklich nie - billiger) ist, wenn der Versicherungsschutz des Elternteils mit Ausnahmen und Eigenanteilen durchlöchert wie ein Schweizer Käse ist. Nebenbei gelten die vorstehenden Zahlen 1:1 für Johannes. Sind Johannes und K gleich krank, so beläuft sich der Eigenanteil in obigem Beispiel 1 auf 10.000 € (!) pro Jahr (!), was die Familie bei fehlendem Einkommensersatz (Johannes hat keine Tagegelder, K demzufolge auch nicht) durchaus in den Ruin treiben kann.

Man muß die Gefahren des Billig-Tarif Economy der Continentale einmal am Fall deutlich machen: Verschreibt der Arzt dem fußballfreudigen Johannes eine Tube Voltaren, erstattet die Conti nicht einen Cent!

Das Beispiel zeigt ferner, daß die private Krankenversicherung keinesfalls immer besser ist wie die gesetzliche Krankenversicherung, auch wenn dies auf der Ebene des Vertriebes dem Versicherungsnehmer nicht selten so suggeriert wird. Für K sollte - wenn Johannes seinen Vertrag nicht verbessern will oder aufgrund Vorerkrankungen oder dem Ablauf von Optionsmöglichkeiten (soweit im Tarif vorgesehen) nicht mehr verbessern kann - als eine Alternative die Familienversicherung auf der Ebene der Mutter und ggf. der Aufbau von Zusatzversicherungen ebenfalls auf der Ebene der Mutter geprüft werden.

Wird also eine Kindernachversicherung ins Auge gefaßt, sollten der oder die Elternteile sich vorher stets um den bestmöglichen Versicherungsschutz bei ihnen selbst bemühen. Dann - und nur dann - kann das Kind diesen Umfang ohne Gesundheitsprüfung übernehmen.

 

A. Fallgruppe 3 Beispiel 2:

Eltern nicht verheiratet, Vater voll PKV mit relativ hochwertigem Tarif, Mutter GKV-pflichtig ohne Zusatzversicherung

Bei unseren Eltern aus Beispiel 1 ist Johannes im Tarif NK, dem verhältnismäßig hochwertigen Tarif der Halleschen, versichert. Diesen ergänzte er beim gleichen Versicherer durch Krankentagegeld (6.000 €/Monat ab dem 22. Tag), Krankenhaustagegeld (100 €/Tag bei stationärem Aufenthalt), Pflegetagegeld (3.000 €/Monat versichertes Pflegegeld) und Kurtagegeld (100 €/Tag). Der Tarif NK weist zwar die eine oder andere geringfügige Lücke auf, z.B. summenmäßige Begrenzung von Heilpraktikerrechnungen, 20 % Eigenanteil bei Heilmitteln wie Massage). Dennoch sind die wichtigsten Punkte Einbett, Chefarzt, freie Arztwahl sowie ausreichend laufende Einnahmen bei bestimmten Konstellationen abgedeckt.

Es spricht nichts dagegen, daß K den Versicherungsschutz des Vaters übernimmt, so die Eltern zur Zahlung des gesonderten Beitrages willens und in der Lage sind. Das Krankentagegeld kann mangels Selbständigkeit des K als Anwartschaft übernommen und fortgeführt werden.

Wie in Beispiel 1 kann K über seine Mutter auch ohne Mehrbeitrag in der GKV im Rahmen der Familienversicherung versichert werden. Selbst wenn dies - aus welchen Erwägungen auch immer - von den Eltern in Betracht gezogen werden sollte, sollte K innerhalb der Fristen nachversichert werden. Im Falle der Familienversicherung GKV kann sein privater Vertrag dann als Anwartschaftsversicherung günstig weitergeführt werden. Zwar kann K dann keine Leistungen aus dem privaten Vertrag geltend machen, er kann ihn aber - ohne erneute Gesundheitsprüfung - wieder aktivieren. Diese Möglichkeit ist ihm ohne ausgeübte Kindernachversicherung verwehrt, und der erhält bei zwischenzeitliche eingetretenen ernsten Krankheitsbildern u.U. keinerlei Möglichkeit mehr auf eine private Voll- oder Zusatzversicherung und damit die Chance zum Erhalt von Leistungen, die über das Niveau der GKV hinausgehen, siehe dazu unten Stichwort abgedeckte Kosten.

 

B. Fallgruppe 4: Kindernachversicherung bei ausschließlich gesetzlich versicherten verheirateten Eltern (häufigster Fall)

Das Kind ist in der GKV je nach Wahl der Eltern in der Kasse des Vaters oder der Kasse der Mutter kostenlos familienversichert.

Private Zusatzversicherungen des oder der Elternteile können auf der Ebene des Kindes übernommen werden. Das Kind hat dann in der Summe u.U. eine bessere Versorgung als ein Elternteil alleine.

Da etwa 90 % der Menschen in Deutschland gesetzlich versichert sind, ist diese Fallgruppe die zahlenmäßig häufigste und bedeutendste.

Beispiel: Jessica, Paul und der kleine Oskar -> unten

 

B. Fallgruppe 5: Kindernachversicherung bei ausschließlich privat versicherten verheirateten Eltern

Das Kind kann bei jedem Elternteil im Rahmen der Kindernachversicherung in der PKV versichert werden. Bei Bausteinen, z.B. Krankentagegeld, Pflegetagegeld usw. können diese zusätzlich vom anderen Elternteil übernommen werden.

Alternativ: Das Kind kann beitragspflichtig freiwillig in der GKV versichert werden. Antragsfrist: drei Monate ab Geburt.

 

 

B. Fallgruppe 6:

Kindernachversicherung bei Mischfällen gesetzlich-privat versicherter verheirateter Eltern (ohne Sonderfall Übergrenzer)

 

B. Fallgruppe 7:

Kindernachversicherung bei Mischfällen gesetzlich-privat versicherter verheirateter Eltern (nur Sonderfall Übergrenzer)

 

 

 

Typen der privaten Krankenversicherungsverträge (Vollversicherung)

Verallgemeinernd können die von der jeweiligen Versicherungsgesellschaft angebotenen Verträge bzw. Leistungsniveaus für die private Kranken-Vollversicherung vereinfachend wie folgt unterteilt werden:

  • gut
  • mittel 
  • schlecht

Natürlich wird kein Versicherer diese Verträge bzw. seine Leistungen so bezeichnen, schon gar nicht als schlechten Vertrag oder schlechtes Leistungsniveau. Selbst in schlechten Verträgen findet in Werbeunterlagen etwa die Beschreibung "gute Leistungen bei Medikamenten". Typischerweise werden solche Verträge mit anderen Bezeichnungen versehen, um beim Leser und zukünftigen Kunden positive Assoziationen im Hinblick auf den Abschuß zu wecken. Daher werden ausgehend von obiger Einteilung beispielsweise folgende Bezeichnungen für die gesellschaftsinternen Rubriken verwandt:

  • gute Leistungen aus Versicherersicht: Business (Conti), Exklusiv (Signal Iduna SI), Agil classic premium (R+V), NK (Hallesche), einsA expert+ (Barmenia)
  • mittlere Leistungen aus Versicherersicht: Comfort, Premium (Conti), Komfort (Signal Iduna), Agil classic comfort (R+V), KS (für Komfortschutz, Hallesche), einsA primex (Barmenia)
  • niedrige Leistungen aus Versicherersicht: Economy (Conti), Start (Signal Iduna), Agil classic pro (R+V), Primo (Hallesche), einsA prima (Barmenia)

Wie gesagt, die obige Einteilung für gute Verträge gilt nur gesellschaftsintern. Dies bedeutet nicht zwingend, daß z.B. der Tarif Business der Conti im Vergleich zum Tarif einsA expert1+ der Barmenia im Detail tatsächlich ein guter Vertrag ist.

Anderseits führt einem der Vergleich innerhalb der Barmenia von expert1+ zu einsA prima vor Augen, 

 

Werbung Werbung Werbung

Sogar weit unterdurchschnittliche Tarife werden überschwenglich beworben, so der Tarif Start der Signal Iduna mit "Gute Leistungen bei Medikamenten" und "Mit dieser Absicherung brauchen Sie sich wirklich vor Nichts mehr zu fürchten." Das Gegenteil ist der Fall. So werden z.B. in diesem Tarif Verstöße gegen den Hausarztzwang bei Nichteinhaltung des Primärarztprinzips und Generika-Vorgabe (kein Originalmedikament, wenn es ein Generikum gibt) mit Eigenanteilen von jeweils 25 % vertraglich vom Versicherer bestraft nur 75 % der Aufwendungen vom Versicherer erstattet. Wird der Facharzt ohne Überweisung aufgesucht, bleiben ebenfalls 25 % beim Patienten hängen. Läßt der Patient sich das Original-Medikament anstatt ein Generikum verschreiben, so kürzt der Versicherer die Erstattung bis 4.000 € Rechnungsbetrag ebenfalls um 25 %, was einen zusätzlichen Eigenanteil von bis zu 1.000 € bedeutet.

 

Typen der privaten Krankenversicherungsverträge (Zusatzversicherung)

Im Bereich der Zusatzversicherung gibt es ebenfalls teils deutliche Unterschiede. So sind etwa im Bereicht der stationären Zusatzversicherungen bestimmte Leistungen mit enthalten oder ausgenommen. Die Beiträge unterscheiden sich ebenfalls recht deutlich.

Aus der Sicht des Autors sollte eine stationäre Zusatzversicherung folgende Mindestanforderungen enthalten:

  • Einbett
  • Chefarzt mindestens 3,5fach Satz
  • Verzicht auf ordentliches Kündigungsrecht

Der Verzicht auf das ordentliche Kündungsrecht durch den Versicherer ist deshalb wichtig, damit ist im Schadenfall (stationärer Aufenthalt von Ihnen und damit auch Ihrem Kind im Krankheitsfall) den Vertrag nicht einfach innerhalb der ersten drei Jahre Kündigen kann.

Optional je nach Interessenlage sollten je nach Anbieter (manche Gesellschaften bieten dies nicht an, ohne daß diese unbedingt schlecht sein müssen.) in Betracht gezogen werden:

  • Chefarzt über 3,5fach Satz
  • Chefarzt ambulante Operationen

Ergänzt werden sollte der stationäre Versicherungsschutz durch folgende Ergänzungen

  • Krankenhaustagegeld (höchstmöglich, falls möglich mit Dynamik)
  • Pflegetagegeld (höchstmöglich, falls möglich mit Dynamik)

Im Bereich der Kinder sind die mit den Tagegeldern verbundenen Beitrage relativ gering, da für Kinder nach Art der Schadenversicherung, also ohne Altersrückstellungen, kalkuliert wird. Die Beträge sind tragbar. Schließen Sie zu niedrig ab, kann eine spätere Erhöhung nur mit einer Gesundheitsprüfung erfolgen. Bei schweren Erkrankungen wird eine Erhöhung unmöglich (Ablehnung des Erhöhungsantrages durch den Versicherer) oder nur mit hohen Zuschlägen möglich sein.

Thema Beratung - oder Der dicke Fisch an der Angel

Die künftigen Eltern sind finanziell sehr interessant, weil sich durch sie hohe Provisionen verdienen lassen. Um die Kindernachversicherung für das Neugeborene in Anspruch nehmen zu können, müssen sich die Eltern bzw. ein Elternteil selbst - und wie an anderer Stelle mehrfach erwähnt: bestmöglich - versichern. Die Jäger (Vermittler) lauern und locken mit allerlei Ködern wie bunten Prospekten mit jungen dynamischen Menschen, Graphiken und Berechnungen, Öffnungsaktionen bei Beamten, Rahmenverträge mit gesetzlichen Versicherungen und viel Honig, der Ihnen angenehm und höflich um den Mund geschmiert wird). Ist der Fisch (also Sie) erst an der Angel (Unterschrift), wechselt er nicht mehr so schnell vom eigenen Teich (vulgo: Versicherungsbestand) in einen anderen (Dies wird erschwert oder unmöglich durch höhere Beiträge mit fortschreitendem Alter oder durch zwischenzeitlich eingetretene Erkrankungen.). Und auch die kleinen Fische, also Ihre Kinder, hat man durch die Kindernachversicherung von vornherein im gleichen Teich und muß sie später nicht mehr aufwendig angeln. Man mag mir diese bildliche Darstellung nachsehen, doch ich meine, sie trifft die Interessenlage im Versicherungsvertrieb der privaten Krankenversicherer recht gut.

 

Wie sieht der Fisch die Lage? Er ist für sich (Elternteil) und für sein kleines Fischlein (Baby) auf der Suche nach gutem, im Idealfall optimalem Futter (Krankenversicherungsleistungen) in einem Teich, in dem er sich wohl fühlt. Das verstellt schon einmal den Blick, da alle Teiche nach Darstellung der Teichbetreiber (Versicherer) und ihrer Gehilfen (Vermittler) ganz super-hyper-toll sind. Wie toll oder auch nicht, merkt der Fisch oft erst, wenn er im Teich ist und nicht mehr so leicht raus zu einem anderen Teichbetreiber oder zurück in den großen Fluß (GKV) kann.

 

Beratung, Information, Vermittlungskosten - nicht gleich dem Erstbesten vertrauen

Die künftigen Eltern sollten sich nicht vorschnell zum Abschluß verleiten lassen, sondern sich ausführlich und rechtzeitig, idealerweise vor der Schwangerschaft durch einen oder mehrere Versicherungsmakler beraten lassen.

 

Beratung durch Alleinvertreter im Allgemeinen

Die Beratung lediglich durch einen an eine Gesellschaft gebundenen Alleinvertreter dürfte nicht ausreichend sein. Er kann und darf nur eine Gesellschaft vertreten, die er naturgemäß bei der Präsentation von Vergleichen in den Vordergrund stellen wird. 

 

Beratung durch klassische Alleinvertreter

Beispiel eines klassischen Alleinvertreters sind z.B. die Vertreter der Allianz Krankenversicherung oder der Württembergischen. Hier wird schon vom Auftreten her klar kommuniziert, daß diese nur Produkte der jeweiligen Gesellschaft vertreiben. Der Allianzvertreter vertreibt keine Produkte der Axa, der Vertreter der Württembergischen vertreibt keine Produkte der Hanse Merkur. Soweit so gut. Die vertriebenen Versicherungen sind durch den Alleinvertrieb nicht zwingend schlechter wie andere.

Die Situation ist wie beim Autokauf. Beim Mercedes Vertragshändler erwarten und erhalten Sie keine neuen BMW. Und beim BMW-Händler erwarten und erhalten Sie keine Neuwagen von Audi. 

Etwas verwischt wird dies bei dem Vertrieb durch "Vermögensberater" (dazu unten), bei denen oftmals nicht klar oder allenfalls versteckt kommuniziert wird, daß es sich um einen Alleinvertrieb handelt, und stattdessen beispielsweise verwässernd "ganzheitliche Beratung" und "Rundumbetreuung" in den Vordergrund gestellt wird, siehe dazu unten.

 

Beratung durch "Vermögensberater" als Unterfall des Alleinvertreters

Sicherlich nicht ausreichend dürfte die Beratung gar durch einen "Vermögensberater". "Vermögensberater" ist ein nicht geschützter Beruf. Jeder darf sich "Vermögensberater" nennen. Dementsprechend klein ist die Zahl der qualifiziert vorgebildeten, und dementsprechend breit und vielfach völlig berufsfremd die berufliche Vorgeschichte der "Vermögensberater". An Vortätigkeiten findet sich querbeet so ziemlich alles. Der "Vermögensberater" (es kann auch eine "Vermögensberaterin" sein, aber seltener) findet sich in zunehmender Zahl selbst in kleinsten Orten. Sie kennen ihn vielleicht sogar persönlich aus ihrem Freundes-, Bekannten- oder Verwandtenkreis.

Der "Vermögensberater" ist wahrscheinlich ein in einen Strukturvertrieb eingebundener selbständiger Handelsvertreter und wird Ihnen höchstwahrscheinlich (nur) Verträge der Generali Krankenversicherung (bis 30.6.2020: Central Krankenversicherung) verkaufen wollen, einer Gesellschaft, die in den vergangenen Jahren unter anderem durch exorbitante Beitragssteigerungen und nicht unbedingt einem guten Händchen mit eingeführten und dann wieder geschlossenen Tarifreihen aufgefallen ist. Die Generali Krankenversicherung ist eine Tochter der Generali Versicherung, welche wahrscheinlich wiederum zu rund 40 % am an wahrscheinlich Strukturvertrieb beteiligt ist, für den der "Vermögensberater" und sein Kollege aus der "Direktion", "Geschäftsstelle", "Agentur" oder "Repräsentanz", der ihn vielleicht begleitet und der als Höherstehender ebenfalls von einer Provision mitprofitiert (Pyramidenstruktur), als Untervermittler arbeiten. Es entsteht weiter der Eindruck, daß die Masse der "Vermögensberater" aus der Alterskohorte der 20-40 Jährigen stammt, was auf eine hohe Fluktuation schließen läßt. Kann man auf Dauer keine "Verträge schreiben" (Abschlüsse machen), so bleibt der Druck nicht aus. Und irgendwann sind die Freunde, Bekannte, Verwandten und Vereinskollegen auch alle abgeklappert (und nach Enttäuschung weniger geworden), oder die Werbung von Untervermittlern, an denen man als Werber mitverdient, als zweitem Standbein klappt nicht mehr oder nicht mehr so gut.

Aber Achtung: Spätestens wenn der "Vermögensberater" - Sie hatten ihn wegen Informationen über eine Krankenzusatzversicherung oder private Krankenversicherung kontaktiert - einen Vermögensstatus erstellen, Ihnen eine Unternehmenspräsentation vorführen oder eine Lebensversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung oder einen Sparvertrag verkaufen will, sollten bei Ihnen alle Warnglocken erklingen.

Nochmals Achtung: Gleiches gilt, wenn der "Vermögensberater" - Sie erinnern sich nochmals, daß Sie ihn wegen Informationen über eine Zusatzversicherung oder PKV kontaktiert hatten -  Sie für eine Mitarbeit als Tippgeber (Empfehlung), für eine nebenberufliche (aber selbständige) Arbeit oder gar als (selbständiger) Unterberater für seinen Zuarbeiter-Stamm werben will. Auch für diesen Fall gilt: Danke für die Info. Einen schönen Tag noch.

Achtung zum Dritten: Kontaktiert der "Vermögensberater" Sie auf Empfehlung eines Verwandten, Freundes, Kollegen oder Bekannten, lassen Sie lieber gleich die Finger davon. Im Bereich der Krankenversicherung ist die Generali-Versicherung als umfirmierte Central-Krankenversicherung aus meiner Sicht nicht unbedingt die erste Wahl. Andere Krankenversicherungen kann Ihnen der "Vermögensberater" wohl nicht anbieten. Er ist höchstwahrscheinlich nur Ausschließlichkeitsvertreter, was sich durch einen Blick auf die Homepage im Impressum leicht feststellen lassen wird (Gebundener Vermittler gem. § 34 d Absatz 7 GewO mit Hinweis auf ausschließliche Vermittlung und Beratung für die Generali Deutschland Krankenversicherung).

 

Beratung durch unabhängige Finanzdienstleister - Zwischendurch was zum Lachen

Als wenn die Thematik mit der unabhängigen Beratung im Allgemeinen und bei der PKV im Speziellen nicht schon traurig genug wäre, mußte ich beim Lesen dieser Geschichten schon lachen, und das nicht nur einmal :) . 

http://www.finanzparasiten.de/html/beraterkarriere/01_beraterkarriere.html 

http://www.finanzparasiten.de/html/krankenversicherung/01_werbewettlauf.html

Ob die Geschichten nicht doch frei erdacht sind? Wer weiß!

 

Provisionen für die Vermittlung einer privaten Kranken(zusatz)versicherung

Bei der Vermittlung von Verträgen in der PKV sind Provisionen von bis zu neun Monatsbeiträgen möglich. Bei einem Hochleistungstarif mit einem Monatsbeitrag inkl. Tagegeldern von z.B. 800 € bei Vollversicherung wäre Ihre Unterschrift bis zu 7.200 € für den Vermittler wert, bei Zusatzversicherungen von monatlich 200 € sind immer noch bis zu 1.800 € drin. Dies erklärt, warum die Vermittlung solcher Verträge so beliebt ist und die potentiellen Kunden intensivst umworben werden. Hinzu kommen jährliche Bestandsprovisionen. Die Versicherungsgesellschaft legt solche Vermittlungskosten intern in der Kalkulation natürlich auf die Beiträge der Versicherten um.

 

Beratung durch Honorarberater

Alternativ oder zusätzlich sollte stets eine Honorarberatung in Anspruch genommen werden. Der Kunde - also Sie - bezahlt hier ein offen kommuniziertes Entgelt für die Beratung. Der Honorarberater erhält sein Honorar für die Beratung und nicht für die Vermittlung. Er hat daher nicht unbedingt Interesse daran, Ihnen unter Verwendung schöner Grafiken und Hochglanzprospekten, welche meist junge, gesunde und dynamische Frauen und Männer zeigen, einen Vertrag mit hoher Provision aufschwätzen vermitteln zu wollen.

 

Erfahrungsberichte als Informationsquelle

Suchen Sie über Suchmaschinen mit den Stichworten "Name des Versicherers" und "Erfahrungen" bzw. "Erfahrungsberichte".

 

Ausgewählte Internetseiten als Informationsquelle

  • www.kv-fux.de (Berechnungen, Leistungsübersicht in Kurzform, betreffend Zusatzversicherungen und Vollversicherung)
  • www.finanztest.de (gebührenfrei bei Abo der Zeitschrift, Tests von Zusatzversicherungen und Vollversicherung)
  • www.waizmanntabelle.de (Berechnungen, Leistungsübersicht in Kurzform, betreffend Zahnzusatzversicherungen)
  • www.assekurata.de/ratings/unternehmensrating/kranken/ (Bewertung verschiedener Krankenversicherer mit herunterladebaren Ratingberichten, Angaben über Versichertenzahl, Wachstum, Beitragsstabilität, Zufriedenheit. Da gute Ergebnisse immer für Werbung genutzt werden und die Versicherer mit der Veröffentlichung einverstanden sein müssen, dürften zumindest Versicherer mit von Assekurata veröffentlichten Berichten zu den Besseren zählen.) 

 

Lesen Sie das Kleingedruckte. Seien Sie gewissenhaft und ehrlich!

Letztendlich werden Sie nicht darum herumkommen, das Kleingedruckte selbst zu lesen (macht leider meist keiner, sondern erst, wenn der Schaden eingetreten ist. Bis dahin begnügt man sich mit den Hochglanzprospekten und den bis zum Abschluß mit dem netten Vermittler geführten Gesprächen, die beide jedoch unverbindlich sind), also die Tarifbedingungen und die allgemeinen Versicherungsbedingen sowie den Versicherungsantrag. Letzteren bzw. die darin enthaltenden Gesundheitsfragen sollten Sie penibelst genau beantworten, um später böse Überraschungen zu vermeiden. Also nicht schummeln. Was letztendlich (nur) rechtsverbindlich ist, sind der Versicherungsschein, die Tarifbedingungen und die allgemeinen Versicherungsbedingungen (MB/KK, MB/KT usw.). Idealerweise fügen Sie Ihrem Antrag eine Kopie ihrer Patientenakte(n) von Arzt und Krankenhaus für den abgefragten Zeitraum bei, dann fehlt mit Sicherheit nichts. Verletzen Sie ihre vorvertragliche Anzeigepflicht, kann dies böse Folgen bis hin zum Verlust des Versicherungsschutzes haben.

 

Relevanz und Wichtigkeit: Was zählt, ist Ihre neue und nun größere Familie - und zwar ein Leben lang

Warum solche langen Ausführungen zum Thema Vermittlung und Abschluß?

Ihre Interessen, für sich (und im Rahmen der Kindernachversicherung für Ihren kleinen Prinzen oder Ihre kleine Prinzessin) bestmöglichen d.h. möglichst hochwertigen Versicherungsschutz zu erhalten, korrespondieren nicht notwendigerweise mit den Interessen des Vermittlers, eine möglichst hohe Provision zu erzielen, in vielen Fällen stehen sie ihnen sogar diametral entgegen.

Das wäre für sich kein solches Problem, wenn Sie den schlechten Vertrag oder Anbieter ähnlich leicht, einfach und günstiger wechseln könnten wie etwa eine Privathaftpflicht.

Im Bereich der privaten Krankenversicherung, egal ob Voll- oder Zusatzversicherung, ist ein Wechsel eines Vertrages schwierig bis unmöglich und meist teuerer, weil

  • Ihr Gesundheitszustand maßgeblich ist. Aufgrund zwischenzeitlich eingetretener Vorerkrankungen wird ein anderer Versicherer Sie nicht, nur mit Ausschlüssen oder mit teils recht hohen Zuschlägen aufnehmen. Das Gleiche gilt für Ihren aktuellen Versicherer, wenn Sie Ihren schlechten Vertrag auf ein höheres idealerweise das beste Leistungsniveau bringen möchten. In beiden Fällen findet eine Gesundheitsprüfung statt. Optionsrechte greifen nicht immer, nicht jederzeit und gelten nicht unbedingt für die Option zum bestmöglichen Versicherungsschutz oder sind schlichtweg nicht vereinbart. 
  • Ihr Alter maßgeblich ist. Bei einem Wechsel sind Sie älter und zahlen damit eine höhere Prämie. Der Abschluß der meisten privaten Krankenversicherungsverträge findet im Alter zwischen 25 und 40/45 mit Schwerpunkt zwischen 30 und 40 Jahren statt (Beamtenanwärter und Referendare i.d.R. früher). Ab einem bestimmten Alter wird die Prämie deutlich höher.
  • Bei privater Vollversicherung bedeutet privatversichert in der Regel, daß sie privatversichert bleiben müssen und sich damit Preissteigerungen nur durch Abspecken des Versicherungsumfanges entziehen können. Ab 55 Jahren ist die Rückkehr in die GKV kaum mehr möglich.

Mit anderen Worten: Mit Ihrer Unterschrift unter Ihren Versicherungsantrag sind Sie dabei. Es ist anders wie beim Autokauf. 

Wenn Sie mit Ihrem BMW nicht mehr zufrieden sind, wechseln Sie doch zu Audi. Wenn Ihnen Ihr Dacia zu rustikal ist, kaufen Sie eben einen VW. Wenn Ihnen Ford nicht prestigeträchtig genug sein sollte, wechseln Sie zu Mercedes. Wenn Sie innerhalb von Mercedes sich das eine oder andere aufpreispflichtige Extra gönnen möchten, buchen Sie es beim Kauf unkompliziert dazu. In allen Fällen kommen vorher wie nachher von A nach B.

Lassen Sie sich daher, wie eingangs erwähnt, nicht von netten, im Vertrieb geschulten Versicherungsverkäufern zu einer vorschnellen Unterschrift verleiten. In der Versicherungswelt der PKV ist anders als im Reich der Automobile der Wechsel des Fabrikats (Versicherungsgesellschaft), des Modells (Vertrages) oder der nachträgliche Einbau einer Standheizung (Upgrade, Höherversicherung) meist nicht mehr möglich. Und als Autofahrer (Versicherungsnehmer) können Sie nicht mehr so einfach oder gar nicht mehr zurück zu den öffentlichen Verkehrsmitteln (GKV) wechseln.

Sie schließen Ihren Vertrag übrigens auch nicht mit dem netten Vertreter, sondern mit dem Versicherer irgendwo in Köln, Stuttgart, Koblenz, München oder anderswo.

 

Rechtsgrundlagen Kindernachversicherung, Familienversicherung, freiwillige Versicherung (Schaubild)

§§ 198, 208 Satz 1 VVG Kindernachversicherung in der PKV - kostenpflichtig gegen Beitrag

§ 10 SGB V Familienversicherung in der GKV - kostenfrei

§ 9 SGB V freiwillige Versicherung in der GKV - kostenpflichtig gegen Beitrag

 

 

Beiträge der Kindernachversicherung - in allermeisten Fällen überraschend günstig

Die Beiträge der Kindernachversicherung sind abhängig von Status (Zusatzversicherung oder Vollversicherung) und Umfang (bei Zusatzversicherung z.B.: diverse Bausteine wie Einbett, Chefarzt, Krankenhaustagegeld, Pflegetagegeld) bzw. Leistungsniveau (bei Vollversicherung z.B.: lückenhafter Einsteigertarif oder Hochleistungstarif, Krankenhaustagegeld, Pflegetagegeld).

Liebe Schwaben, die hier mitlesen: zu sparen gibt es dabei leider nichts. Das müssen Sie dann bei den Windeln wieder reinholen. :) Wenn Sie einen Daimler wollen, müssen Sie den Preis eines Daimler zahlen.

 

Aufgrund der Kalkulation nach Art der Lebensversicherung werden für Kinder keine Altersrückstellungen gebildet, so daß diese im Betrag verhältnismäßig günstig sind

Beiträge Vollversicherung PKV für Kind

Die auf den Monat umgerechnete Prämie eines sehr guten Vertrages inklusive 100 € Krankenhaustagegeld und 100 € Pflegetagegeld bei Vollversicherung dürfte je nach Gesellschaft derzeit (2020) unter Einbezug von Selbstbehalten bei ca. 200 - 220 € monatlich liegen. Rund 220 € (ohne Bausteine für Tagegelder) verlangt die Barmenia für ein Kind in ihrem Hochleistungstarif Expert1+ bei einem Selbsthalt von 150 €/Jahr). Der Expert+ Tarif ist der beste Tarif innerhalb der Barmenia.

 

B. Zusatzversicherung PKV

 

B1. Versicherungsschutz aus Einzelbausteinen

 

Beispiel B1: Versicherungsschutz aus Einzelbausteinen

Am Beispiel der Alten Oldenburger stellen wir aus Einzelbausteinen ein Gesamtpaket zusammen.

Krankenhauszusatz mit Einbett und Chefarzt ca. 5 Euro

Zahnzusatz mit Zahn + KFO ca. 13 Euro

Pflegezusatz mit 100 € bei Pflegegrad 2-4 (20 € bei Pflegegrad 1) ca. 23 €

Krankenhaustagegeld 50 € genau 3 Euro

Alle Beiträge Monatsbeiträge für 2020 der Alten Oldenburger. Für unter 10 Euro/Monat sind bereits Krankenhaus und Krankenhaustagegeld versicherbar, für unter 50 € alle obigen Bausteine. Bei anderen Versicherungsgesellschaften verhält es sich ähnlich. An den Beiträgen zeigt sich ferner, daß die Versicherungen wegen der damit verbundenen Aufwendungen die Beiträge für Zahn und Pflege erkennbar höher kalkuliert.

 

B2. Versicherungsschutz im Paket

 

Beispiel B2: Versicherungsschutz aus vorgegebenem Paket / Paketen

Am Beispiel der Württembergischen kann aus einem oder mehreren fertigen Paketen gewählt werden.

Andere Versicherer bieten Pakete an, so z.B. die Württembergische für 33,50 € (2020) den Tarif KISO Premium, ein Tarif mit leichten Lücken, aber deswegen interessant, weil er zu einem tragbaren Beitrag neben anderen Bausteinen wie Einbett und Chefarzt, Zahn (Leistungen für KIG I und II)  und kleineren Tagegeldern für Krankenhaus und Pflege auch einen Baustein für die ambulante private Behandlung eines gesetzlich versicherten Kindes vorsieht. Im Alltag (stationäre Aufenthalte sind doch eher selten) dürfte dieser Baustein schnelle ambulante Termine bei niedergelassenen (Fach-)Ärzten vor Ort oder in der Privatambulanz der Kinderklinik sicherstellen und die Eltern von langen Wartezeiten entlasten. Nicht unerwähnt bleiben soll die Möglichkeit, das das Kinder später bei gesetzlicher Versicherung diesen Vertrag fortführen kann, dann natürlich mit höheren Beiträgen (Erwachsenentarife).

 

Bewertung

Ist das Kind über einen Elternteil kostenfrei GKV-familienversichert, ermöglichen die Zusatzversicherungen eine doch recht ordentliche finanziell tragbare Verbesserung darüber hinaus. Hat ein Elternteil bereits höhere Leistungen, etwa ein höheres Krankenhaustagegeld, kann der höhere Vertrag vom Kind übernommen werden. Umso wichtiger ist die an anderer Stelle bereits erwähnte möglichst hochwertige Absicherung des oder der Elternteile idealerweise vor Beginn der Schwangerschaft, soweit dies gesundheitlich und finanziell möglich ist..

 

C. Familienversicherung GKV

Bei Pflichtversicherung ist die Mitversicherung des Kindes kostenfrei.

Bei freiwilliger Versicherung (eigener Vertrag des Kindes, wenn eine Pflichtversicherung ausscheidet) muß das Kind einen eigenen Beitrag bezahlen. Es belaufen sich die Kosten auf ca. 210 € (2020) und damit in ähnlicher Höhe wie bei einem sehr guten privaten Vertrag bei Vollversicherung.

 

D. Mischfälle Verheiratete Übergrenzer: Zwingende Versicherung Kind nur bei PKV

Ist eine Elternteil voll privat versichert und liegt sein Einkommen über der Grenze zur Versicherungspflicht, ist das Kind zwingend privat zu versichern. Eine Möglichkeit zur freiwilligen gesetzlichen Versicherung des Kindes besteht dann nicht.

 

Abgedeckte Kosten und weitere Vorteile der Kindernachversicherung

Beispiel 1: Kosten

Der kleine Frederik (0) wird geboren. Seine Eltern Melanie (30) und Robert (34) wollen die Dreisamkeit gemeinsam genießen und buchen ein Familienzimmer an der Universitäts-Frauenklinik Freiburg. Die Klinik berechnet hierfür 192 € pro Tag. Melanie unterhält bei der Barmenia eine Krankenhaustagegeldversicherung von 110 €/Tag. Frederik kann diese im Rahmen der Familienversicherung mitübernehmen. Der Aufenthalt dauert sechs Tage. Kosten des Familienzimmers 1.152 €. Durch die Krankenhaustagegelder von Melanie (660 €) und Frederik (660 €) sind die Kosten des Familienzimmers abgedeckt.

 

Beispiel 2: Kosten und Termine

Inzwischen älter, zieht sich Frederik (8) beim Skifahren einen komplizierten Bruch zu, der über zwei Jahre mit mehrfachen Operationen behandelt werden muß. Die stationären Aufenthalte in dieser Zeit summieren sich auf sieben Monate (210 Tage). Seine Mutter Melanie (38), GKV-pflichtig versichert, begleitet Ihren Sohn in die weiter entfernte Spezialklinik und wird in dessen Zimmer untergebracht und verpflegt (Rooming-in). Für das Einbettzimmer berechnet die Klinik 150 €/Tag (31.500 €) und für die Unterbringung der Mutter im Zimmer des Sohnes 100 €/Tag (21.000 €). Von seinem Vater Robert (42), GKV-pflichtig versichert, konnte Frederik gleich nach Geburt eine Krankenhauszusatzversicherung bei der Württembergischen übernehmen (Einbett, Chefarzt). Über diese ist das Rooming-in bis zum 15. Lebensjahr abgedeckt. Melanie, seine Mutter, hatte aus ihrer eigenen Kindheit noch eine Krankenhaustagegelversicherung bei der Barmenia von 110 €/Tag, die Frederik ebenfalls im Rahmen der Kindernachversicherung übernehmen konnte. Aus diesen finanzieren die Eltern Unterrichtsstunden während der Krankenhausaufenthalte vor Ort. Frederik ist in der Summe besser versichert als seine Eltern alleine, weil die Kindernachversicherung die Übernahme der Zusatzversicherung eines jeden Elternteiles ermöglicht. Zwar wird Frederik dadurch nicht schneller gesund.

Der Familie bleiben jedoch finanzielle Mehraufwendungen durch die Krankenhausaufenthalte weitgehend erspart. Und die Familie sichert sich schnellen Zugang zu hochqualifiziertem medizinischem Fachwissen

Aufgrund seiner stationären Zusatzversicherung erhält Frederik deutlich schnellere Termine für seine Operationen einschließlich vor- und nachstationärer Untersuchungen.

Das Einbettzimmer sichert den persönlichen Bereich und gewährleistet Ruhe und Erholung sowie die ungestörte Unterhaltung ohne fremde Ohren.

 

Beispiel 3: Kosten

Der kleine Linus (0) wird als Frühchen mit einem Geburtsgewicht von 590 g geboren und muß sich signifikanten Operationen unterwerfen. Kosten 99.231,92 €.

In der Folge sind Gefäßeingriffe mit Beatmung von 520 Stunden notwendig. Kosten 87.212,16 €.

 

Kind behindert - PKV abschließen? Ist das noch schnell möglich? Nach Geburt? Oder nur vor Geburt?

 

Nach Geburt: 

  • nach Ablauf 2-Monatsfrist: nur mit Gesundheitsprüfung, Annahme unwahrscheinlich
  • vor Ablauf 2-Monatsfrist: ohne Gesundheitsprüfung, wenn Elternteil vor Geburt mehr als drei Monate bei PKV versichert

Vor Geburt:

  • Mindestversicherungszeit von drei Monaten des Elternteils muß eingehalten werden, sonst keine Kindernachversicherung ohne Gesundheitsprüfung möglich.

 

Das folgende Beispiel zeigt den wohl häufigsten Fall, daß beide Eltern gesetzlich versichert sind und keine Zusatzversicherung haben.

Beispiel:

Jessica Zehnle (27) aus Schuttertal ist mit dem kleinen Oskar (-1) im zweiten Monat schwanger. Wie Anna (36, siehe oben) ist sie Patientin bei Dr. Mutsch, dem Gynäkologen ihres Vertrauens. Oskar wird nach aktueller Untersuchung mit schweren Behinderungen auf die Welt kommen, die häufige wiederkehrende Krankenhausaufenthalte mit und ohne Operationen und Hilfe von Pflegediensten erfordern. Ab Geburt wird er voraussichtlich für die Zeit seines Lebens ein Pflegefall sein.

Jessica und ihr Ehemann Paul (32) sind beide gesetzlich bei der AOK versichert. Beide sind vollständig gesund und waren in den vergangenen Jahren bis auf Routineuntersuchungen und grippale Infekte weder im Krankenhaus noch beim Arzt. Zusatzversicherungen haben sie keine.

Jessica und Paul sei geraten, schnellstmöglich den bestmöglichen Versicherungsschutz als Zusatzversicherung abzuschließen, mindestens folgendende Bausteine:

  • stationär: Einbett, Chefarzt
  • Krankenhaustagegeld: maximal versicherbarer Betrag
  • Pflegetagegeld: maximal versicherbarer Betrag
  • Kurtagegeld: maximal versicherbarer Betrag
  • alle Bausteine: nur bei Verzicht des Versicherers auf das ordentliche Kündigungsrecht innerhalb der ersten drei Jahre

Diese Versicherungen sollten für jeden der beiden Elternteile abgeschlossen werden, weil

  • sie auf der Ebene des Kindes von BEIDEN Eltern übernommen werden können (insbesondere die Tagegelder, die sich dann summieren!) und die Beiträge gerade im Bereich der Zusatzversicherungen für Oskar sehr gering sind
  • Jessica und Paul noch jung und gesund und ihre eigenen Beiträge ebenfalls recht gering sind
  • Jessica und Paul im eigenen Krankheitsfall für den kleinen Oskar schnellstmöglich wieder gesund werden wollen und daher eine optimale Absicherung in aller Interesse ist
  • erhebliche Zusatzkosten oder Betreuungskosten durch die Tagegelder aufgefangen werden, z.B. wenn ein Elternteil Oskar wochenlang ins Krankenhaus mit unbezahltem Urlaub begleitet
  • bei Ablehnung des Antrags bei einem Elternteil die Versicherung des anderen im Rahmen der Kindernachversicherung auf das Kind übertragen werden kann

Jessica hat wegen ihrer Schwangerschaft eine achtmonatige Wartezeit, in  der für sie (Jessica) keine Leistungen bezahlt werden. Dies betrifft jedoch nicht Oskar. D.h. Oskar kann ab Geburt Leistungen in Anspruch nehmen, wenn alle sonstigen Voraussetzungen gegeben sind.

Diese Versicherungen sollten schnellstmöglich abgeschlossen werden, weil nur so im Falle einer unerwarteten Frühgeburt die dreimonatige Vorversicherungszeit eingehalten werden kann. Es zählt für die Kindernachversicherung nicht der von Dr. Mutsch prognostizierte, sondern der tatsächliche Geburtstermin. Das kann dann schon mal eng werden.

Es besteht keine Verpflichtung in den Anträgen der Eltern Paul und oder von Jessica, Angaben über den Gesundheitszustand des ungeborenen Kindes zu machen. Die voraussichtliche Behinderung von Oskar wird nicht abgefragt und braucht nicht angegeben zu werden. Hat Jessica bei oder vor Antragstellung Schwangerschaftsbeschwerden, sind diese im Rahmen der Gesundheitsfragen anzugeben. Sie betreffen jedoch nur Jessica.

 

 

Fazit:

Das Beispiel zeigt, daß nicht auf den letzten Drücker bis zur Schwangerschaft gewartet oder nur bei schlechter Diagnose noch schnell eine Zusatzversicherung abgeschlossen werden sollte. Bei Jessica und Paul hat es gerade noch geklappt.

Vorteile:

Ist die Frau noch nicht schwanger, entfällt für sie die für Schwangere übliche achtmonatige Wartezeit in der PKV, in der keine Leistungen beansprucht werden können. Die Frau und dann werdende Mutter kann dann vor und nach der Geburt ein Einbettzimmer nebst Chefarztbehandlung in Anspruch nehmen. Sie erhält im Rahmen der Wahlleistungen besseres und auswahlreicheres Essen für sich und ihr Kind als normale Kassenpatientinnen. Der Personalschlüssel für Ärzte und Pfleger ist großzügiger. D.h. die Frau wird vom Chefarzt oder dessen Vertretern betreut. Die Pfleger und Schwestern haben weniger Patientinnen zu betreuen und daher mehr Zeit für die Schwangere bzw. neue Mutter und ihr Baby. Sie kann ungestört telefonieren, mit Tablet oder Laptop mit Familie, Verwandten und Freunden korrespondieren und sich ungestört ihrer Erholung und ihrem Baby widmen. Sie hat eine eigene Dusche und eine eigene Toilette und muß diese mit niemand teilen. Sie kann ungestört Besuche empfangen.

Das Einzelzimmer ist Gold wert. Es sichert die Intimsphäre für die Schwangere bzw. neue Mutter, das Kind und den Vater. Gerade vor und nach der Geburt ist für die Frau anstrengend und ein Ausnahmezustand (aber nicht nur bei Geburt. Auch bei anderen Operationen gilt das Gleiche.) Es ist mehr als angenehm, nicht mit Blutungen an den Besuchern der anderen Mütter auf die Toilette oder nach der Dusche nicht mit plötzlichen Besuchen der anderen Mütter konfrontiert zu werden. Sie können ruhig und ungestört schlafen und nicht mit Ohrstöpseln. Wenn Sie wegen Kindergeschrei aufwachen, dann nur wegen Ihrem eigenen Kind. Sie müssen kein lautes TV anschauen. Sie müssen keine Telefonate und keine Familiengespräche mithören und umgekehrt. Es sitzt niemand auf ihrem Bett. Die Stühle sind immer für Ihren Besuch frei. Auch müssen Sie sich während Ihres Aufenthaltes keine unnötigen Gedanken darüber machen, ob sich das Krankenzimmer nicht doch etwa in Istanbul, Damaskus, Algier, Lagos oder Kinshasa oder anderswo in Afrika oder dem Orient befindet.

 

Welche Versicherer gibt es in Deutschland, die Krankenversicherungen anbieten?

Der Ombudsmann für Private Kranken- und Pflegeversicherung (PKV-Ombudsmann) führt auf seiner Homepage alle Versicherungsgesellschaften auf, in Deutschland Krankenversicherungsverträge anbieten. Die Aufstellung ist verlinkt, so daß man leicht und direkt zum jeweiligen Krankenversicherer gelangen kann.

www.pkv-ombudsmann.de

Der Ombudsmann veröffentlicht regelmäßige Tätigkeitsberichte, in denen er über seine Arbeite und ausgewählte Probleme zwischen Versicherten und Versicherern berichtet. Die Berichte sind sachlich und heben sich wohltuend von den Hochglanzprospekten der Versicherer ab.

www.pkv-ombudsmann.de/schlichtungsstelle/taetigkeitsberichte/

 

Rechtsgrundlagen Kindernachversicherung, Familienversicherung, freiwillige Versicherung (Gesetzestexte)

§§ 198, 208 Satz 1 VVG Kindernachversicherung in der PKV - gegen Beitrag

§ 10 SGB V Familienversicherung in der GKV - kostenfrei

§ 9 SGB V freiwillige Versicherung in der GKV - gegen Beitrag